2022: Nur kleinere Änderungen bei der Rente

Laufende Anpassungen früherer Reformen

03.01.2022

Zum Jahreswechsel gibt es auch im Bereich der Alterssicherung einige Änderungen. Im Kern handelt es sich dabei um laufende Anpassungen infolge früherer Reformen – umfassende Neuerungen wie die seit 2021 geltende Grundrente treten zunächst nicht in Kraft. Wir informieren über die wichtigsten Punkte und wesentliche Vorhaben der neuen „Ampel“-Koalition.

Einblick: Neues bei Altersgrenzen, Beiträgen und Steuern sowie der Zusatzvorsorge

Im Zuge der schrittweisen Anhebung diverser Altersgrenzen gelten erneut höhere Schwellenwerte für nun „rentenfähige“ Geburtsjahrgänge. Regelaltersrenten (notwendig sind fünf Beitragsjahre) können 1957 geborene Personen jetzt ab einem Alter von 65 Jahren und 11 Monaten beziehen. Altersrenten für besonders langjährig Versicherte (notwendig sind 45 Jahre, insbesondere mit Pflichtbeiträgen) sind für 1958 geborene Versicherte im Alter von 64 Jahren zugänglich. Beide Rentenarten können nicht vorzeitig mit Abschlägen bezogen werden. Diese Option steht allerdings mit der Altersrente für langjährig Versicherte dauerhaft ab dem 63. Geburtstag zur Verfügung (notwendig sind 35 Versicherungsjahre). Die Abschläge bemessen sich dabei nach der jeweiligen Regelaltersgrenze und betragen für jeden Monat des vorzeitigen Bezugs dauerhaft 0,3 Prozent der Bruttorente. Schwerbehinderte des Geburtsjahrgangs 1958 können schließlich bei Erfüllung der sonstigen Voraussetzungen abschlagsfrei mit 64 Jahren in Rente gehen; ein Rentenbezug mit Abschlägen ist bei dieser Rentenart immer genau drei Jahre früher möglich. Im Übrigen gilt auch 2022 noch die Sonderregelung, wonach vor der Regelaltersgrenze bis zu 46.060 Euro hinzuverdient werden können, ohne dass eine bereits laufende Altersrente gekürzt wird.

Wer 2022 in Rente geht, erhält 18 Prozent der ersten vollen Jahresrente als dauerhaften Steuerfreibetrag, wohingegen wegen der schrittweise umgestellten Besteuerung von Beiträgen und Renten Neurentnerinnen und -rentner ab 2040 ihre Renten voll versteuern müssen. Wer 2022 Rentenversicherungsbeiträge zahlt, kann diese im Gegenzug bis zu einer Höhe von knapp 26.000 Euro zu 94 Prozent als Altersvorsorgebeiträge steuerlich absetzen.

Der von Beschäftigten und Arbeitgebern je zur Hälfte getragene Beitragssatz zur allgemeinen Rentenversicherung bleibt stabil bei 18,6 Prozent. Gleichzeitig sinken wegen des zuletzt statistisch ermittelten Lohnrückgangs die Beitragsbemessungsgrenze und das vorläufige Durchschnittsentgelt auf 84.600 Euro bzw. 38.901 Euro (jeweils Bruttowerte und in der allgemeinen Rentenversicherung in den alten Ländern gültig). Wer in Bremen 2022 letztere Summe als versichertes Bruttogehalt verdient, erwirbt damit genau einen Entgeltpunkt, der bis zur jährlichen Anpassung am 1. Juli mit 34,19 Euro bewertet wird. Infolge komplizierter Mechanismen und Sondereffekte wird diese Anpassung nach der „Nullrunde“ im vergangenen Jahr nun wieder recht hoch ausfallen und könnte nach bisheriger Rechtslage in Westdeutschland gut 5 Prozent betragen; Reformpläne der neuen Regierungskoalition dürften hingegen tatsächlich zu einer Erhöhung der Renten um gut 4 Prozent führen.

Bei der als „Entgeltumwandlung“ bezeichneten privaten Vorsorge über den Betrieb gilt jetzt auch für vor 2019 getroffene Vereinbarungen im Grundsatz, dass Arbeitgeber zusätzlich zumindest 15 Prozent des umgewandelten Entgelts an die entsprechende Vorsorgeeinrichtung entrichten müssen. Dieser Zuschuss soll gewissermaßen den Vorteil ausgleichen, der sich bisher daraus ergibt, dass auch Arbeitgeber bei einer Umwandlung Beiträge zu den Sozialversicherungen einsparen können. Der Gesetzgeber hat die Weitergabepflicht deshalb auf tatsächliche Einsparungen beschränkt, sodass sie für Gehaltsbestandteile über den Beitragsbemessungsgrenzen nur noch teilweise und schließlich gar nicht mehr greift. Mit 15 Prozent ist sie ohnehin nicht umfassend – der Gesamtbeitrag für Arbeitgeber beläuft sich auf etwa 20 Prozent – und darüber hinaus kann auch tarifvertraglich davon abgewichen werden. Angemessene Zuschüsse der Arbeitgeber zur „betrieblichen Privatrente“ sind damit nicht in jedem Fall gesichert.

Gegen Ende 2022 soll eine erste Testphase für die „Digitale Rentenübersicht“ beginnen. Idealerweise können Versicherte damit zukünftig ihre Alterssicherungsansprüche aus verschiedenen Säulen verlässlich gesammelt in einem Online-Portal anzeigen lassen und so ein besseres Bild über Absicherung und etwaige Vorsorgelücken erhalten. Zunächst sind die Vorsorgeeinrichtungen aber noch nicht zur Teilnahme verpflichtet, sodass es bis zu annähernd vollständigen Rentenübersichten sicherlich noch einige Jahre dauern wird.

Ausblick: Was plant die „Ampel“?

Die neue Koalition aus SPD, Grünen und FDP will das Rentenniveau dauerhaft bei mindestens 48 Prozent halten, die derzeit geltende „Haltelinie“ also entfristen. Nach einigen Schwankungen auch in den kommenden Jahren wäre damit langfristig sichergestellt, dass die Renten sich wieder so entwickeln wie vorher die Löhne – wenn auch auf überschaubarem Niveau, das für Lebensstandardsicherung im Alter etwas höher liegen sollte. Auf zusätzliche Anhebungen der Regelaltersgrenze über 67 Jahre hinaus will die „Ampel“ verzichten, langjährige Erwerbsminderungsrentnerinnen und -rentner besserstellen und zur finanziellen Stabilisierung der Rente einen Kapitalstock innerhalb der Sozialversicherung aufbauen. Dessen genaue Ausgestaltung ist allerdings noch unklar und sein Mehrwert für wirklich verlässliche Renten durchaus fraglich.

Zumindest neue, nicht anderweitig zur Vorsorge verpflichtete Selbständige sollen nun per Opt-out – zunächst muss man in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen, kann aber in „geeignete“ privatwirtschaftliche Alternativprodukte wechseln – zur Alterssicherung angehalten werden. Die neuen Koalitionäre würden damit eine erhebliche Schutzlücke angehen und ein letztlich gescheitertes Vorhaben der letzten „GroKo“ aufgreifen. Ein entschlossener Schritt in Richtung einer überfälligen Erwerbstätigenversicherung wäre dies aber wohl nicht: Wahlmodelle können leicht in eine sozialpolitische Sackgasse führen, in der bestimmte Personengruppen und die Versicherungswirtschaft von einem weiter zersplitterten Sozialsystem profitieren, nicht aber die gesetzliche Solidargemeinschaft insgesamt.

Schließlich soll es Verbesserungen im Bereich der betrieblichen und privaten Vorsorge geben, wobei insbesondere die „Riester-Rente“ den Erwartungen bisher offenkundig nicht gerecht werden konnte und erheblicher Reformbedarf besteht. Die Vereinbarungen sind auch hier noch recht unkonkret, lassen aber effizientere Modelle mit höheren, stärker risikobehafteten Renditen vermuten, in denen der Staat eine stärkere Rolle spielt und ggf. auch versucht, den Markt mit einem eigenen Angebot zu disziplinieren. Entsprechende Schritte wird die Arbeitnehmerkammer kritisch-konstruktiv begleiten und deutlich machen, dass gute Zusatzvorsorge stets verlässlich und wirklich zusätzlich zu einer nachhaltig starken gesetzlichen Rente erfolgen muss.

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Dr. Magnus Brosig
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  • Überfällig und richtig, aber längst nicht ausreichend — Eine Bewertung des "Grundrenten"-Konzeptes

    Erschienen in: Bericht zur Lage der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Land Bremen 2020

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  • Gute Renten? Ein echter Umschwung ist nötig und möglich!

    Erschienen in: Bericht zur Lage der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Land Bremen 2019

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